China, Flughäfen und Akkus: Warum Sicherheitskontrollen Fotografen frustrieren
KI-generiertes Beispielbild – dient nur zur Illustration.
📅 08.12.2025

China, Flughäfen und Akkus: Warum Sicherheitskontrollen Fotografen frustrieren

„Went through China airport, they took all my batteries“ – solche Berichte tauchen regelmäßig in Foren für Reise- und Street-Fotografie auf. Für viele ist es der Albtraum: sorgfältig geplantes Kamera-Setup, mehrere Ersatzakkus im Rucksack, und dann wandern sie beim Security-Check in die Box mit beschlagnahmter Elektronik.

Was wie eine Überreaktion wirkt, hat einen klaren Hintergrund: Lithium-Akkus sind sicherheitskritisch. Die Praxis an Flughäfen – gerade in China – ist aber oft intransparent, uneinheitlich und für Reisende nur schwer vorhersehbar. Dieser Artikel ordnet ein, warum Akkus im Fokus der Kontrollen stehen, welche Konflikte sich speziell für Fotograf:innen ergeben und wie man sein Setup so plant, dass aus der Sicherheitslinie kein Totalausfall wird.

Warum Akkus für Flughäfen ein Problem sind

Lithium-Ionen- und Lithium-Polymer-Akkus haben die mobile Technik revolutioniert: hohe Energiedichte, kompakte Bauform, schnelle Ladefähigkeit. Dieselben Eigenschaften machen sie aber auch empfindlich. Fehlerhafte Zellen, Kurzschlüsse oder mechanische Beschädigungen können zu Überhitzung und im Extremfall zu Bränden führen – ein Szenario, das in einem Flugzeug schwer beherrschbar wäre.

Genau hier setzen die Sicherheitsanforderungen an: Die Luftfahrtbehörden weltweit haben Regeln eingeführt, die definieren, wie viel Energie in Form von Akkus eine einzelne Person mit ins Flugzeug nehmen darf, wo diese Akkus transportiert werden müssen und wie sie verpackt sein sollen. Diese Vorgaben werden von Flughäfen und Airlines umgesetzt – mal streng, mal großzügig, manchmal auch widersprüchlich.

Warum Berichte aus China besonders gehäuft auftreten

In Diskussionen fallen überproportional oft chinesische Flughäfen, wenn es um konfiszierte Akkus geht. Dahinter steckt weniger eine völlig andere Risikobewertung als vielmehr:

  • Strenge Umsetzung: Sicherheitsmitarbeitende agieren eher nach dem Wortlaut der Regeln als nach Kulanz. Fehlt eine Kennzeichnung oder ist die Kapazität unklar, wird eher aussortiert als diskutiert.
  • Uneinheitliche Praxis: Was an einem Flughafen problemlos durchgeht, kann am nächsten als Verstoß gewertet werden. Das erzeugt den Eindruck von Willkür, auch wenn formal dieselben Regeln gelten.
  • Kommunikationslücken: Informationen zu erlaubten Akku-Typen und -Mengen sind nicht immer gut sichtbar oder mehrsprachig erklärt. Wer die lokalen Aushänge nicht lesen kann, erfährt die Details oft erst am Scanner.

Für Fotograf:innen, Filmer:innen und Drohnen-Pilot:innen ist diese Gemengelage besonders heikel: Sie reisen typischerweise mit mehreren Akkus, teilweise unterschiedlichen Formfaktoren, und bewegen sich oft durch verschiedene Flughäfen im Land.

Typische Konfliktpunkte: Wo Akkus bei Kontrollen auffallen

Wenn Sicherheitskräfte zu Akkus greifen, folgt das meist bestimmten Mustern. Aus Erfahrungsberichten und offiziellen Vorgaben lassen sich typische Trigger ableiten:

1. Unklare oder fehlende Kennzeichnung

Viele Kamera- und Drittanbieter-Akkus tragen zwar Spannungsangaben, aber die Kapazität ist nicht immer in Wattstunden (Wh) angegeben, sondern nur in Milliamperestunden (mAh). Wenn Sicherheitspersonal die maximale Kapazität nicht eindeutig nachvollziehen kann, wird der Akku schnell zur „unbekannten Größe“ – und damit zum Risiko.

2. Lose Zellen ohne Schutz

Einzelne Akkus ohne Schutzkappen oder Hüllen, frei in Taschen oder Rucksäcken, sind ein weiterer Klassiker. Die Gefahr eines Kurzschlusses durch Metallteile (Schlüssel, Münzen, Stativelemente) ist real – und entsprechend sensibel reagieren Kontrollen auf offen liegende Kontakte.

3. Hochkapazitive Akkus und Powerbanks

Besonders konfliktträchtig sind große Powerbanks oder Akkus für Licht- oder Video-Setups. Sobald die Kapazität in Bereiche geht, die über dem liegen, was viele Reisende gewohnt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genauer nachgefragt wird. Wer die technischen Daten nicht belegen kann, gerät schnell ins Hintertreffen.

4. Drohnen- und RC-Akkus

Lithium-Polymer-Akkus für Drohnen oder andere RC-Geräte sind nochmals sensibler. Ihre Bauart gilt allgemein als weniger robust gegenüber mechanischen Einflüssen. Je nach Flughafen sind sie ein eigener Prüffall – besonders, wenn sie aufgebläht, beschädigt oder improvisiert verpackt wirken.

Fotografie unterwegs: Wenn Akkus zur Systemfrage werden

Für Reise- und Reportagefotografie sind Ersatzakkus kein Luxus, sondern Voraussetzung. Moderne Kameras, spiegellose Systeme und insbesondere Video-Setups mit hoher Bildrate oder 4K-Aufzeichnung treiben den Verbrauch massiv nach oben. Wer Tage in abgelegenen Regionen plant oder lange Shooting-Tage ohne verlässliche Stromversorgung, packt entsprechend großzügig ein.

Genau dort kollidieren Praxis und Sicherheitsanforderungen:

  • Mehrere Akkus pro Body: Für lange Fototage sind zwei bis vier Akkus pro Kamera keine Seltenheit. Entsprechend füllt sich das Handgepäck schnell mit Dutzenden Zellen.
  • Zusätzliches Video- oder Licht-Equipment: LED-Panels, Field-Recorder, Funksysteme – jedes zusätzliche Teil bringt noch einen Akku in die Gleichung.
  • Unterschiedliche Marken und Formate: Original- und Drittanbieter-Akkus mischen sich. Je diverser der Mix, desto schwerer ist eine schnelle, eindeutige Identifikation für das Sicherheitspersonal.

Der Frust ist verständlich: Wer seine Akkus an der Kontrolle verliert, verliert im Zweifel den Kern seiner Arbeitsfähigkeit. Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass Sicherheitsteams bei technischen Details nicht lange interpretieren wollen oder können.

Unsicherheit als System: Wenn Regeln nicht überall gleich gelesen werden

Ein Teil des Problems liegt in der Schnittstelle zwischen abstrakten Luftfahrtregeln und konkreter Umsetzung im Alltag eines Flughafens. Beschränkungen orientieren sich häufig an der gespeicherten Energie – aber genau diese ist für Laien und oft auch für Sicherheitsmitarbeitende schwer auf einen Blick abzuschätzen.

In der Praxis entsteht daher eine Art „Worst-Case-Kultur“: Was nicht eindeutig regelkonform wirkt, wird aussortiert. Fühlt sich ein Akku zu groß an, fehlen Daten, wirkt etwas improvisiert – landet es mit höherer Wahrscheinlichkeit im Behälter, anstatt mitfliegen zu dürfen.

Hinzu kommt eine Asymmetrie: Reisende vergleichen ihre Erfahrungen („Gestern am anderen Airport ging das problemlos durch“), während Sicherheitsteams häufig nach interner Vorgabe handeln, die nicht automatisch deckungsgleich mit der Praxis anderer Flughäfen ist. Das verstärkt den Eindruck von Zufall, wo in Wirklichkeit unterschiedliche Interpretationen ähnlicher Sicherheitsziele aufeinandertreffen.

Planung statt Panik: Wie Fotograf:innen ihr Setup denken können

Wer mit Kameraausrüstung reist – insbesondere durch Länder mit strenger oder uneinheitlicher Umsetzung – profitiert von einem gedanklichen Perspektivwechsel: Wie sieht das eigene Setup aus der Sicht einer Sicherheitskontrolle aus?

  • Transparenz: Je klarer und lesbarer die Informationen zu jedem Akku sind, desto weniger Interpretationsspielraum entsteht.
  • Ordnung: Akkus, die sichtbar geschützt, sortiert und nicht wie lose Elektronikreste wirken, werden intuitiv als weniger riskant wahrgenommen.
  • Reduktion: Wo möglich, weniger verschiedene Formate und Typen mitzunehmen, kann helfen, Diskussionen zu vermeiden.

Gerade auf mehrwöchigen Reisen oder bei Durchquerung mehrerer Flughäfen im gleichen Land lohnt es sich, schon beim Packen zu überlegen, welche Akkus man wirklich braucht – und wie man sie transportiert, ohne dass sie wie ein unübersichtlicher Elektronikfundus wirken.

Handgepäck, Gepäck, Backpack: Wo Akkus hingehören – und warum das wichtig ist

Für viele, die zum ersten Mal mit strengeren Kontrollen konfrontiert werden, ist eine Sache überraschend: Der Transportort der Akkus ist nicht nur Formalität, sondern sicherheitsrelevant. Lose Akkus im aufgegebenen Gepäck werden häufig kritischer gesehen als im Kabinengepäck.

Aus Sicht der Sicherheit ist das logisch: Brände im Frachtraum sind schwerer zu entdecken und zu bekämpfen als im Passagierraum. Deshalb fokussieren sich Regeln darauf, Akkus eher im direkten Zugriff zu behalten und sie gleichzeitig so zu verpacken, dass Kurzschlüsse vermieden werden.

Gerade auf Flügen mit Umstiegen kann das zur Falle werden: Was auf dem ersten Leg im Koffer noch durchging, kann beim erneuten Sicherheitscheck plötzlich zum Problem werden. Wer mit Akkus reist, sollte daher davon ausgehen, dass sie überall dort überprüft werden, wo neu eingecheckt oder neu gescreent wird – nicht nur beim Abflug im Heimatland.

China-spezifische Besonderheiten: Wahrnehmung und Realität

Berichte wie „They took all my batteries“ prägen das Bild von chinesischen Flughäfen als besonders restriktiv. Gleichzeitig ist die Realität differenzierter: Viele Reisen mit umfangreicher Foto- und Videoausrüstung verlaufen völlig unspektakulär. Die Spreizung der Erfahrungen ist groß – und genau das verstärkt die Unsicherheit.

Aus journalistischer Perspektive lässt sich festhalten:

  • China legt generell hohen Wert auf sichtbare Sicherheit an Verkehrsknotenpunkten – von Bahnhöfen bis Flughäfen.
  • Die Umsetzung kann sich von Stadt zu Stadt unterscheiden; große internationale Hubs agieren oft routinierter mit Technikgepäck als kleinere Flughäfen.
  • Kommunikationsbarrieren spielen eine immense Rolle: Missverständnisse bei technischen Begriffen, Kapazitätsangaben oder dem Zweck der Akkus führen schneller zu Konfiskationen, als es bei identischer Situation mit gemeinsamer Sprache der Fall wäre.

Für die Praxis bedeutet das: Das Risiko, Akkus abgeben zu müssen, ist real – aber es ist kein Naturgesetz. Es entsteht besonders dort, wo Technik, Sprache, Zeitdruck und unterschiedliche Sicherheitskulturen gleichzeitig wirken.

Wenn es passiert: Was bleibt, wenn die Akkus weg sind

Die nüchterne Konsequenz einer Konfiskation ist drastisch: Ohne Akkus sind Kamera, Licht und oft auch Kommunikationsgeräte nur noch totes Gewicht. Für professionelle Einsätze oder lange Reisen kann das den Unterschied zwischen umsetzbarem Projekt und gescheitertem Vorhaben bedeuten.

Gleichzeitig sind die Handlungsspielräume vor Ort begrenzt. An der Sicherheitslinie zu diskutieren, ist nicht nur nervenaufreibend, sondern praktisch oft aussichtslos. Sicherheitsentscheide werden selten zurückgenommen, insbesondere wenn sie sich auf Sicherheitsvorschriften berufen, die das Personal im Zweifel eher zu streng als zu lax auslegt.

Hier zeigt sich ein strukturelles Problem: Verantwortlichkeit und Risiko liegen de facto bei den Reisenden. Wer sich im Vorfeld nicht intensiv mit lokalen Gepflogenheiten beschäftigt, zahlt im Ernstfall mit der eigenen Ausrüstung. Transparente, international verständliche Kommunikation seitens Flughäfen und Airlines wäre ein naheliegender Hebel, diese Schieflage zu entschärfen.

Digitaler Erfahrungsraum: Wie Foren und soziale Medien das Bild prägen

Dass der Satz „they took all my batteries“ überhaupt zum Trend wird, liegt auch an der Dynamik digitaler Communities. In Fotoforen, Reisegruppen und auf Plattformen, auf denen sich Kreative austauschen, haben Extremfälle eine hohe Sichtbarkeit. Wer seine komplette Ausrüstung an der Sicherheitskontrolle verliert, erzählt diese Geschichte eher, als jemand, bei dem alles reibungslos lief.

So entsteht ein verzerrtes, aber wirkungsvolles Bild: Einzelne drastische Erlebnisse werden zum gefühlten Standard. Das kann positive Effekte haben – etwa wenn es Reisende dazu bringt, sich ernsthaft mit Akkuregeln auseinanderzusetzen. Es führt aber auch zu einer übersteigerten Angst vor bestimmten Flughäfen oder Ländern, die der alltäglichen Praxis nicht immer gerecht wird.

Spannend ist, wie stark sich diese Erzählungen auf Reiseentscheidungen auswirken: Manche meiden bestimmte Umstiegsorte, andere reduzieren ihre Ausrüstung aus Angst vor Konfiskation. Für die Fotobranche insgesamt stellt sich die Frage, inwieweit sich Produktdesign und Informationspolitik an diesen real existierenden Ängsten orientieren sollten.

Ausblick: Was sich ändern müsste, damit Akkus weniger Drama auslösen

Zwischen den legitimen Sicherheitsinteressen der Luftfahrt und den Bedürfnissen einer global mobilen, digital arbeitenden Gesellschaft klafft derzeit eine Lücke. Akkus sind zentrale Infrastruktur – für Bildproduktion, Kommunikation, Navigation – und gleichzeitig Sicherheitsrisiko. Wie lässt sich dieser Widerspruch produktiver lösen?

Ansatzpunkte gibt es mehrere:

  • Bessere Kennzeichnung: Klarere, einheitliche Angaben auf Akkus, die auch Sicherheitsmitarbeitende ohne technische Spezialisierung schnell interpretieren können.
  • Standardisierte Informationswege: Airports und Airlines könnten verständliche, mehrsprachige Visualisierungen nutzen, die typische Geräte und Akkutypen zeigen – inklusive eindeutiger Aussagen, was erlaubt ist und was nicht.
  • Branche und Community: Foto- und Videobranche sowie Creator-Communities können Reiseempfehlungen, Checklisten und Erfahrungswerte systematischer aufbereiten, statt dass Wissen überwiegend in verstreuten Foren-Threads steckt.

Solange diese Lücke nicht geschlossen ist, bleibt der Flughafen-Security-Check für viele Kreative ein Nervenspiel. Wer mit Kameras, Drohnen und Akkus um die Welt zieht, bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen technischer Notwendigkeit und regulatorischer Vorsicht. Die Berichte aus China sind dabei kein exotischer Ausreißer, sondern ein besonders sichtbarer Brennpunkt eines globalen Themas: Wie wir mit der Energie umgehen, die unsere mobile, digitale Kultur überhaupt erst möglich macht.

Laura Bergmann
Verbraucherexpertin & Redaktion
Laura übersetzt technische Daten in verständliche Texte und bewertet Alltagstauglichkeit und Qualität.