Anker entwickelt eigenen KI-Chip: Neue „Thus“-Technologie soll Audio komplett verändern
Der Zubehör-Hersteller Anker geht einen überraschend großen Schritt: Mit dem neuen „Thus“-Chip entwickelt das Unternehmen erstmals eigene KI-Hardware – und will damit seine gesamte Produktpalette intelligenter machen.
Ein KI-Chip, der anders denkt
Der neue Thus-Prozessor setzt auf eine ungewöhnliche Architektur: Statt Daten ständig zwischen Speicher und Recheneinheit hin- und herzuschieben, findet die Verarbeitung direkt dort statt, wo das KI-Modell gespeichert ist.
Dieser Ansatz nennt sich „Compute-in-Memory“ – und könnte ein echter Effizienz-Booster sein. Denn klassische KI-Chips verlieren viel Energie und Zeit genau bei diesem Datentransfer.
Warum das gerade für kleine Geräte entscheidend ist
Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Thus-Chip ist deutlich kleiner und benötigt weniger Energie. Genau das ist entscheidend für Geräte wie:
- True Wireless Kopfhörer
- Mobile Zubehörgeräte
- Smart-Home- und IoT-Produkte
Besonders spannend: Anker startet bewusst mit Kopfhörern – also der schwierigsten Kategorie. Hier sind Platz und Energie extrem begrenzt.
Deutlich bessere Geräuschunterdrückung geplant
Aktuelle Noise-Cancelling-Systeme arbeiten meist mit relativ kleinen KI-Modellen. Das führt dazu, dass Stimmen verzerrt klingen oder Umgebungsgeräusche nicht sauber gefiltert werden.
Der Thus-Chip soll hier einen großen Sprung bringen:
- Verarbeitung von deutlich größeren KI-Modellen
- Bessere Trennung von Stimme und Hintergrundgeräuschen
- Klarere Sprachqualität bei Telefonaten
Zusätzlich kombiniert Anker den Chip mit acht Mikrofonen und zwei Knochenschallsensoren – ein Setup, das vor allem in lauten Umgebungen Vorteile bringen soll.
Start in neuen Soundcore-Topmodellen
Die ersten Geräte mit dem neuen Chip werden voraussichtlich zwei neue Premium-Kopfhörer sein:
- Liberty 5 Pro Max (~229,99 USD)
- Liberty 5 Pro (~169,99 USD)
Offiziell vorgestellt werden sollen sie am 21. Mai beim „Anker Day“.
Ein strategischer Schritt gegen Apple und Sony
Mit eigenen Chips folgt Anker einem bekannten Muster: Auch Apple setzt bei seinen AirPods auf speziell optimierte Hardware, um Funktionen wie Noise Cancelling und Spatial Audio zu verbessern.
Der Unterschied: Anker will diese Technologie nicht nur in Premium-Produkten einsetzen, sondern langfristig in nahezu allen Geräten.
Einordnung: Mehr als nur Kopfhörer
Die eigentliche Bedeutung des Thus-Chips liegt nicht bei Kopfhörern – sondern in der Strategie dahinter.
Lokale KI wird immer wichtiger. Statt Daten in die Cloud zu schicken, sollen Geräte selbstständig reagieren, verstehen und lernen.
Das bringt klare Vorteile:
- Schnellere Reaktionen ohne Internet
- Bessere Datenschutzkontrolle
- Geringerer Energieverbrauch
Wenn Anker diesen Ansatz konsequent umsetzt, könnte sich das Unternehmen vom Zubehöranbieter zu einem echten KI-Hardware-Player entwickeln.
Fazit
Mit dem Thus-Chip betritt Anker Neuland – und setzt auf eine Technologie, die das Potenzial hat, viele Alltagsgeräte spürbar intelligenter zu machen.
Ob der Ansatz in der Praxis überzeugt, wird sich spätestens mit den ersten Produkten im Mai zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Der Wettbewerb um KI direkt im Gerät hat gerade erst begonnen.
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