Neue europäische Office-Suite gestartet: Office.eu will Alternative zu Microsoft 365 werden

Neue europäische Office-Suite gestartet: Office.eu will Alternative zu Microsoft 365 werden

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06.03.2026

Den Haag, 6. März 2026: Mit Office.eu startet eine neue europäische Cloud-Office-Plattform, die sich bewusst als Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace versteht. Hinter dem Projekt steht ein politisch und technologisch aufgeladenes Thema: digitale Souveränität.

Die Plattform wird vollständig von europäischen Unternehmen betrieben und nutzt ausschließlich Rechenzentren innerhalb der Europäischen Union. Ziel ist es, Organisationen eine Arbeitsumgebung zu bieten, bei der Daten, Infrastruktur und Software stärker unter europäischer Kontrolle stehen.

Warum Office.eu gerade jetzt startet

Die Debatte um digitale Souveränität gewinnt in Europa seit einigen Jahren deutlich an Bedeutung. Behörden, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen stellen zunehmend die Frage, wie abhängig zentrale IT-Infrastrukturen von US-Technologiekonzernen sein sollten.

Kritiker verweisen häufig auf den US CLOUD Act, der in bestimmten Fällen US-Behörden Zugriff auf Daten ermöglichen kann – selbst wenn diese physisch in Europa gespeichert sind.

Office.eu setzt deshalb auf ein klares Konzept: europäische Eigentümerstruktur, europäische Infrastruktur und eine technologische Basis aus Open-Source-Software.

Technisch basiert Office.eu auf etablierten Open-Source-Projekten

Die Plattform kombiniert mehrere bekannte Open-Source-Komponenten zu einer cloudbasierten Arbeitsumgebung. Dazu gehören unter anderem:

  • Dateispeicher und Zusammenarbeit über Nextcloud
  • Online-Dokumentbearbeitung für Word-, Excel- und PowerPoint-Formate
  • E-Mail und Kalender über offene Standards wie IMAP und CalDAV
  • Chat und Videokonferenzen direkt im Browser

Viele dieser Technologien sind bereits seit Jahren im Einsatz. Genau diese etablierte Basis soll Vertrauen schaffen und den Wechsel für Organisationen erleichtern.

Die Oberfläche orientiert sich bewusst an bekannten Cloud-Office-Systemen wie Microsoft 365 oder Google Workspace, um Migrationen möglichst einfach zu gestalten.

Der Dienst startet zunächst mit Warteliste

Zum Start ist Office.eu noch nicht frei verfügbar. Interessierte Organisationen können sich derzeit auf eine Warteliste setzen lassen. Der Zugang soll schrittweise freigeschaltet werden.

Das Projekt befindet sich damit in einer frühen Phase, soll aber langfristig zu einer vollständigen europäischen Cloud-Arbeitsplattform ausgebaut werden.

Viele Technologien existieren bereits heute

Während Office.eu gerade erst startet, sind viele der zugrunde liegenden Technologien bereits heute produktiv im Einsatz.

Besonders verbreitet sind Kombinationen aus Open-Source-Software wie:

  • Nextcloud für Dateien, Kalender und Zusammenarbeit
  • OnlyOffice oder Collabora für Dokumentbearbeitung im Browser
  • Matrix oder Jitsi für Chat und Videokonferenzen

Solche Plattformen werden bereits von Behörden, Universitäten und Unternehmen getestet oder eingesetzt.

Digitale Souveränität wird zum strategischen Thema

Office.eu ist Teil einer größeren Entwicklung in Europa. Mehrere Staaten prüfen derzeit verstärkt Open-Source-Lösungen für Verwaltung und öffentliche Infrastruktur.

Dazu gehört etwa die deutsche Behördenplattform „openDesk“, die ebenfalls auf Technologien wie Nextcloud und Collabora setzt.

Ob sich neue europäische Office-Plattformen langfristig gegen die dominierenden Anbieter Microsoft und Google durchsetzen können, bleibt offen.

Fest steht jedoch: Digitale Souveränität entwickelt sich in Europa zunehmend von einer technischen Diskussion zu einer strategischen Frage – für Unternehmen ebenso wie für Behörden.