Adobe bringt KI direkt auf den Mac – aber viele Nutzer bleiben außen vor
Adobe verschiebt einen Teil seiner KI direkt auf die Geräte der Nutzer – zumindest theoretisch. Mit Photoshop 27.7 führt das Unternehmen ein lokales KI-Modell für das beliebte Remove-Tool ein. Objekte lassen sich damit direkt auf dem Mac entfernen, ohne dass Bilddaten zur Cloud geschickt werden müssen.
Mehr Privatsphäre, weniger Internet-Abhängigkeit
Die Idee ist stark: Wer störende Elemente aus Fotos entfernt, kann das künftig offline erledigen. Gerade für professionelle Nutzer mit sensiblen Projekten ist das ein echter Vorteil. Keine Uploads, keine Wartezeiten durch Serverlast, keine Internetverbindung nötig.
Adobe erlaubt dabei den Wechsel zwischen Cloud- und Geräte-Modus. Das KI-Modell kann heruntergeladen, entfernt oder deaktiviert werden. Technisch ist das ein Schritt in die Richtung, die viele Nutzer seit Jahren erwarten: KI als lokales Werkzeug statt permanenter Cloud-Zwang.
Der Haken: Fast schon absurde Hardware-Anforderungen
Doch Adobe setzt die Einstiegshürde überraschend hoch. Die lokale KI funktioniert nur mit:
- Apple Silicon Mac ab M1 Pro
- mindestens 24 GB RAM
- macOS Tahoe 26.4 oder neuer
Das bedeutet: Selbst viele moderne Macs fallen durchs Raster. Ein normales M1 MacBook Air? Keine Chance. Ein M2- oder M3-Gerät mit weniger RAM? Ebenfalls ausgeschlossen.
Adobe verkauft das Feature damit zwar als Fortschritt, praktisch profitieren aber vor allem Nutzer teurer Pro-Geräte.
Warum Adobe diesen Weg geht
Die technische Erklärung ist nachvollziehbar: Generative Bildbearbeitung benötigt Speicher, Rechenleistung und eine stabile lokale Umgebung. Adobe will vermutlich vermeiden, dass Nutzer mit schwächeren Geräten schlechte Ergebnisse, lange Wartezeiten oder instabile Workflows erleben.
Trotzdem wirkt die Entscheidung wie ein halb geöffneter Türspalt. Lokale KI ist genau das, was viele Anwender wollen – aber wenn große Teile der installierten Nutzerbasis ausgeschlossen werden, bleibt der Effekt zunächst begrenzt.
Adobe bekommt Druck von zwei Seiten
Interessant ist das Update auch wegen des Wettbewerbs. Während Adobe lokale KI an leistungsstarke Hardware koppelt, wächst parallel die Zahl günstiger oder kostenloser Alternativen.
Open-Source-Projekte rund um Stable Diffusion, ComfyUI oder spezialisierte Inpainting-Tools zeigen längst, dass lokale KI-Bildbearbeitung grundsätzlich auch außerhalb teurer Abo-Ökosysteme möglich ist – wenn Nutzer bereit sind, etwas technischer zu arbeiten.
Auf der anderen Seite greifen Plattformen wie Canva den Massenmarkt an. Dort zählt weniger maximale Präzision als Geschwindigkeit, einfache Bedienung und integrierte KI-Funktionen für Social Media, Marketing und schnelle Content-Produktion.
Adobe sitzt damit zwischen zwei Fronten: professionelle Kreativ-Workflows auf der einen Seite, günstige KI-Massenwerkzeuge auf der anderen.
Mehr als nur das Remove-Update
Neben der lokalen KI bringt Photoshop 27.7 weitere Änderungen:
- Direkte Integration mit Firefly Boards
- Erweiterter Zugriff auf Premium-KI-Funktionen
- Nutzung vorhandener Generative Credits auch für Premium-Features
- Neues zentrales Kontomenü in Photoshop
Adobe baut Photoshop damit sichtbar stärker in sein Firefly-KI-Ökosystem ein. Das Unternehmen will nicht nur einzelne Werkzeuge verbessern, sondern Kreativprozesse stärker über KI, Cloud-Dienste und kollaborative Boards miteinander verbinden.
Ein Signal für die Zukunft
Spannender als dieses einzelne Update ist das größere Signal dahinter: Die KI-Welt verschiebt sich langsam von reiner Cloud-Abhängigkeit hin zu hybriden Modellen. Apple, Microsoft und jetzt Adobe zeigen dieselbe Richtung.
Für Adobe ist das strategisch wichtig. Wenn lokale KI nur auf teuren Geräten läuft, bleibt die Cloud weiterhin relevant. Gleichzeitig kann das Unternehmen Datenschutz, Offline-Nutzung und professionelle Kontrolle als Argumente für seine Premium-Produkte nutzen.
Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob lokale KI in Kreativsoftware kommt – sondern wie lange es dauert, bis sie auf normaler Hardware selbstverständlich wird.
Quelle: 9to5Mac
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