Asus- und Acer-Sperre in Deutschland wird zum Sicherheitsrisiko

Asus- und Acer-Sperre in Deutschland wird zum Sicherheitsrisiko

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22.02.2026

BIOS-Sperre in Deutschland: Warum der Asus- und Acer-Blackout ein echtes Sicherheitsproblem ist

Was zunächst wie ein gewöhnlicher Patentstreit klingt, entwickelt sich gerade zu einem ernsten IT-Sicherheitsrisiko. In Deutschland sind Support- und Downloadseiten von Asus und Acer nicht erreichbar. Betroffen sind ausgerechnet die Bereiche, über die Unternehmen normalerweise BIOS- und Firmware-Updates beziehen.

Warum ausgerechnet BIOS-Updates kritisch sind

Treiber fehlen ist ärgerlich – aber verkraftbar. BIOS-Updates sind dagegen Teil der grundlegenden System­sicherheit. Sie schließen Schwachstellen unterhalb des Betriebssystems, also dort, wo Antivirenprogramme und Windows-Updates nicht mehr greifen.

Ein ungepatchtes System kann dadurch:

  • dauerhaft kompromittiert werden (auch nach Neuinstallation)
  • Secure-Boot-Schutz verlieren
  • Remote-Angriffe über Hardware-Controller ermöglichen
  • zum Einstiegspunkt in komplette Firmennetze werden

Gerade Business-Notebooks, Mini-PCs, Industrie-Rechner und Workstations werden häufig jahrelang betrieben. Ohne Zugriff auf offizielle Firmware entsteht ein Sicherheitsfenster, das Angreifer gezielt ausnutzen können.

Das eigentliche Problem: Updates sind rechtlich blockiert

Die Sperre betrifft nicht nur Verkäufe – sondern den Update-Weg selbst. Administratoren können Geräte zwar weiter betreiben, aber nicht mehr regulär absichern. Automatische Patch-Prozesse laufen ins Leere, Compliance-Vorgaben werden plötzlich schwierig einzuhalten.

Damit entsteht ein ungewöhnlicher Zustand: Hardware funktioniert technisch, darf aber juristisch nicht mehr versorgt werden.

Workaround: Zugriff über VPN möglich

Der Zugriff auf die internationalen Supportseiten ist aktuell weiterhin möglich, wenn der Abruf aus einem anderen Land erfolgt. Die Blockade basiert auf Standorterkennung der Website, nicht auf der Hardware selbst.

Das bedeutet:

  • VPN mit Standort außerhalb Deutschlands nutzen
  • Supportseite erneut aufrufen
  • BIOS und Treiber normal herunterladen

Innerhalb Deutschlands oder mit deutschem VPN-Endpunkt bleibt die Seite dagegen gesperrt.

Ein ungewöhnlicher Präzedenzfall

Zum ersten Mal betrifft ein Patentstreit direkt die Wartbarkeit bestehender Geräte im Alltag. Nicht neue Produkte sind blockiert – sondern Sicherheitsupdates für bereits verkaufte Hardware. Besonders Unternehmen sollten daher prüfen, ob ihre Patch-Prozesse aktuell noch funktionieren.

Hintergrund: Warum ein Videocodec zu gesperrten Supportseiten führt

Auslöser der aktuellen Sperre ist ein Patentstreit um den Videostandard HEVC (H.265). Dabei geht es nicht um ein Software-Update, sondern um sogenannte standard-essenzielle Patente, die für moderne Videoverarbeitung in vielen Geräten relevant sind. Ein Gericht in München erließ eine einstweilige Verfügung im Zusammenhang mit Lizenzfragen. Die Maßnahme betrifft dadurch nicht nur den Verkauf bestimmter Produkte, sondern indirekt auch die digitale Infrastruktur der Hersteller in Deutschland – einschließlich ihrer offiziellen Support- und Downloadseiten.

Technisch sind BIOS- und Treiberdateien weiterhin vorhanden. Die Blockade erfolgt über eine standortbasierte Zugriffsbeschränkung. Damit wird aus einem juristischen Lizenzkonflikt ein praktisches Problem für bestehende Geräte im Alltag.

Der Fall zeigt deutlich: Digitale Infrastruktur hängt heute nicht nur von Technik, sondern auch von Rechtslagen ab. Und genau diese Kombination kann plötzlich reale Sicherheitsrisiken erzeugen.